Die Dämonischen (Invasion of the Body Snatchers)
USA 1956, R: Don Siegel

Don Siegels "Die Dämonischen" - das erste von vielen weiteren filmischen Zeugnissen einer Invasion der Body Snatchers - ist in der Retrospektive Teil der Geburtsstunde des allegorischen Science-Fiction-Films. Zwar hatte Fritz Lang 1927 mit "Metropolis" bereits einen gewaltigen Schritt in diese Richtung gemacht, allerdings wog zu Stummfilmzeiten die generelle Entwicklung des nicht neuen (bereits 1902 lud Georges Méliès zur "Reise zum Mond"), aber potentiell zur Progressivität fähigen Genres mehr; neu war neben der - aus heutiger Sicht durchaus plakativen - in die Narration eingeflochtenen Parabelhaftigkeit vor allem der dystopische Blick in eine mögliche Zukunft, die nichts mehr mit unserer gegenwärtigen Realität gemein hatte. Somit war "Metropolis" für das relativ neue Medium Film etwa das, was Louis-Sébastien Merciers "Das Jahr 2440" für die Weltliteratur war: Ein Pool neuer Ideen und Bilder. Vor allem die technische Seite des Films blieb als wegweisend in Erinnerung, die expressionistisch-futuristischen Bauten, die paradoxerweise erstaunlich reale Visualisierung einer Vorstellung künstlicher Intelligenz; "Die Dämonischen" hingegen war auch fast dreißig Jahre später handwerklich eher solide, dafür aber ein Film, der weit über das Soll seiner Funktionalität als phantastisch angehauchter Thriller hinauswies. Der sich an die Wirkung erinnerte, die Orson Welles eine Dekade zuvor in seinem meisterhaften B-Movie "Die Spur des Fremden" dem pittoresken Ambiente eines durchschnittlichen, beschaulichen Vorortes als Hort des Grauens entlocken konnte, lange bevor ihn David Lynch und Sam Mendes als Bühne der abgründigen, blutigen oder doch zumindest konfliktträchtigen Gegensätze im kollektiven Filmgedächtnis verankerten. Vor allem aber ist er - was in den späteren Variationen, selbst in Philip Kaufmans sehenswerter Adaption von 1978, weitgehend verloren ging - ein Gedankenspiel über Individualität und Autonomie, über die Freiheit von Gefühlen. Eine außerirdische Pflanze frisst sich in die Körper der Bewohner einer von der Umwelt abgeschotteten Kleinstadt, aus fühlenden Menschen werden empfindungs- und positionslose Hüllen ihrer selbst - dass Siegel seinen Schauplatz nie verfremdet oder dramatisiert, vieles im gleißenden Sonnenlicht passiert, macht das Szenario umso bedrohlicher. Denn auch das ist "Die Dämonischen": Ein auf den Punkt inszenierter Spannungsfilm.
Was ist los? Blog aufgegeben? Keine Zeit? Keine Lust?
AntwortenLöschenDie Frage brannte mir auch auf den Nägeln.
AntwortenLöschenObwohl ich aus eigener Erfahrung weiss, dass es viele Situationen gibt, in denen andere Angelegenheiten wichtiger sind als die Fortführung eines privaten Blogs, möchte ich mich hier anschliessen. Was immer dich im Moment auch beschäftigt, ich würde mich sehr freuen, hier irgendwann in der Zukunft wieder deine schönen Reviews zu lesen.
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